Leitbild
des
Elementarbereichs der Rudolf-Steiner-Pädagogik
Die
Lehrpersonen im Elementarbereich unterstützen und begleiten
die Entwicklung und Selbstwerdung des Kindes und tragen der individuellen
Förderung Rechnung. Sie gehen davon aus, dass der Mensch
seinen Ursprung in der geistigen Welt hat und von dort Schicksals-
und Entwicklungsimpulse für den Lebensweg mitbringt. Diesen
Tatsachen begegnen die Lehrpersonen mit Achtsamkeit. Auf der Grundlage
exakter Beobachtung und Reflexion im Alltag schaffen sie einen
kindgemässen Rahmen, der Raum gibt für selbst bestimmtes
Erfahren, Tätigsein und Lernen. Im Spannungsfeld von Eigenaktivität,
Wahrnehmen der anderen und im gemeinsamen Tun entwickeln Kinder
soziale Kompetenzen. Dies wird von den Lehrpersonen als Beitrag
zur Friedenserziehung verstanden. Die ersten Kindheitsjahre bis
zur Schulreife bilden die Grundlage für alle späteren
biographischen Prozesse und brauchen daher einen besonderen Schutz.
Alle pädagogischen Bemühungen zielen darauf hin, die
leibliche und seelisch-geistige Gesundheit als Voraussetzung für
die spätere Entwicklung, Lernbereitschaft und Bewältigung
des Lebens zu fördern.
Leitsätze
Alles
zu seiner Zeit
Jedes Kind entwickelt sich einerseits nach allgemeinen Entwicklungsgesetzen
und andererseits nach individuellen Gegebenheiten. Dem Kind Zeit
zu lassen, ermöglicht die notwendige Organreife. Auch das
Gehirn bedarf der Reifungszeit bis hin zur bestmöglichen
intellektuellen Kapazität im Schul- und Erwachsenenalter.
Die an der Organreife wirkenden Lebenskräfte stehen später
als Bewusstseins- und Denkkräfte zur Verfügung. Diese
Kräfte gilt es für eine optimale Entwicklung zu erhalten
und nicht durch intellektuelle Einseitigkeit zum falschen Zeitpunkt
frühzeitig zu verbrauchen.
Vorbild
und Nachahmung
Die altersspezifische Lerndisposition im frühen Kindesalter
ist die Nachahmungsfähigkeit. Das Gehenlernen, den Spracherwerb
und das Erleben des eigenen Denkens lernt das Kind nicht durch
technisch vermittelte Erfahrungen, sondern nur durch tätige
menschliche Vorbilder, die den Kindern Zuwendung geben.
Sinneserfahrungen
Die Lehrpersonen des Elementarbereichs legen grossen Wert darauf,
dem Kind echte und vielfältige Sinneserfahrungen zu ermöglichen.
Diese fördern ein Realität bezogenes Denken und bilden
die Grundlage für ein verantwortungsvolles Umgehen mit allem
Lebendigen. Zu Gunsten von eigenen, lebendigen Lernerfahrungen
in der realen Umwelt wird auf dieser Entwicklungsstufe bewusst
auf technische Medien und Lernspiele verzichtet.
Spiel
Dem freien kreativen Spiel kommt eine lebensbildende Bedeutung
zu. Deshalb wird ihm viel Zeit und Raum eingeräumt. Das natürliche
Spielmaterial ist so gewählt, dass das Kind eine möglichst
hohe Eigenaktivität entwickeln und seine Phantasiekräfte
entfalten kann.
Rhythmus
und Wiederholung
Rhythmus und Wiederholung sind tragende Elemente der Tages- und
Wochenstruktur. Das Jahr wird im Einklang mit dem Jahreskreislauf
und den verschiedenen Festeszeiten gestaltet. Regelmässige
Rhythmen und viel Wiederholung vermitteln dem Kind Sicherheit
und Geborgenheit. Dadurch erlebt es die Welt als vertrauenswürdig
und zuverlässig. Freie Tätigkeiten des Kindes, geführte
Tätigkeiten durch die Erziehenden und künstlerische
Aktivitäten wechseln in gesundem Rhythmus ab und kräftigen
durch das wiederholende Tun die Willens- und Gedächtnisbildung
des Kindes.
Zusammenarbeit
Die Erziehungsaufgabe wird in enger Zusammenarbeit mit dem Elternhaus
sowie ÄrztInnen und TherapeutInnen wahrgenommen. Die kollegiale
Zusammenarbeit im Vorschul- und Schulbereich an wöchentlichen
Konferenzen optimiert die gemeinsame Wahrnehmung der Gesamtentwicklung
der Kinder und erleichtert deren spezielle Förderung.
Die anthroposophische Menschenkunde von Rudolf Steiner bildet
die Erkenntnisgrundlage für die Arbeit der Fachkräfte.
Weiterbildung
An regelmässigen Konferenzen, Regionaltreffen, schweizerischen
Fachtagungen und internationalen Tagungen sowie durch die Teilnahme
an Weiterbildungsangeboten wird die Pädagogik im persönlichen
Bemühen im Sinne eines "lebenslangen Lernens" fortlaufend
entwickelt.

www.waldorfkindergarten.org

www.iaswece.org
(nach
oben)
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