Koordinationsstelle
Elementarpädagogik
Steiner-Schul-Bewegung, Schweiz
Jahresbericht
08/09
Im
Zentrum der Aufgaben des vergangenen Jahres stand die Erarbeitung
des vollständigen Lehrplans für die Elementarstufe
der Rudolf Steiner Schulen in der Schweiz und Liechtenstein
sowie des Ausbildungskonzepts Elementarpädagogik.
Ausgehend von der Kindergartenstufe, beinhaltet die Neuauflage
des Lehrplans Elementarstufe nun auch den Rahmen der 1. und
2. Klasse. Die Bearbeitung wurde von Thomas Marti vorgenommen
und konnte im vergangenen Juni den Delegierten der Arbeitsgemeinschaft
vorgelegt werden.
Diese Fassung ist als pdf-Datei allen Interessierten auf der
Website der Steiner-Schulen in der Schweiz sowie auf www.elementarpaedagogik.ch
unter Aktuelles
zugänglich.
Die erste Auflage des Lehrplans der Elementarstufe, der zuerst
einmal für die Kindergartenstufe ausgearbeitet worden war,
stiess in der Vergangenheit bei Eltern und Behörden auf
grosses Interesse und es ist zu hoffen, dass auch die Neuauflage
neugierig macht und einen Einblick in das neue Konzept Elementarstufe
der Steiner-Schulen in der Schweiz vermittelt.
Der Lehrplan für die Elementarstufe ist in die drei Ebenen
Bildungsidee, Bildungsziele und Lernziele gegliedert:
Die Bildungsidee beschreibt den Kern der pädagogischen
Arbeit, den Bezug zur Entwicklung der Kinder und die allgemeinen
Ziele, die von der Elementarstufe bis in die obersten Klassen
einer Rudolf Steiner Schule verfolgt werden.
Die Bildungsziele (Richtziele) bringen die Bedeutung und Ausrichtung
der einzelnen Lernbereiche auf der Elementarstufe zum Ausdruck.
Sie werden mit Fertigkeiten, Kenntnissen und Haltungen umschrieben,
welche die Schülerinnen und Schüler auf der betreffenden
Altersstufe anstreben bzw. entwickeln sollen.
Die Lernziele beschreiben, welche spezifischen Qualifikationen
und beobachtbaren Fertigkeiten erworben oder geschult werden.
Dazu werden exemplarisch Themen, Inhalte, Erlebnis- und Verhaltensaspekte
genannt.
Der Lehrplan soll im Besonderen Lehrerinnen und Lehrern eine
Orientierung bilden für die Planung, Vorbereitung und Evaluation
des Unterrichts; er soll einen Rahmen für gegenseitige
Absprachen und die Zusammenarbeit innerhalb des Kollegiums darstellen;
er soll der Verständigung von Schule und Elternschaft dienen
und deren pädagogische Zusammenarbeit fördern und
den Bildungsgang an einer Rudolf Steiner Schule öffentlich
transparent machen.
Gleichzeitig
mit der Entwicklung der Elementarstufe wurde auf Ausbildungsebene
an der Akademie für anthroposophische Pädagogik (AfaP,
Dornach) an einem neuen Ausbildungskonzept Elementarpädagogik
gearbeitet, um in Zukunft Lehrpersonen mit dem notwendigen pädagogischen
Rüstzeug für die Elementarstufe ausstatten zu können.
Die gegenwärtigen bildungspolitischen Bestrebungen um Frühbeschulung
des kleinen Kindes (Grundstufe/Basisstufe) gaben die Veranlassung
zu einem alternativen Konzept, das sich bewusst an den Entwicklungsphasen
des Kindes orientieren möchte. Innerhalb der Kontroverse
im Bereich der Erziehungswissenschaften, sehen wir uns entschieden
auf Seiten derer, die die Kindheit als einen Reifungsprozess
hin zu einer freien Persönlichkeitsentfaltung verstehen.
Nicht die Bedürfnisse der gegenwärtigen Gesellschaft
nach einer leicht integrierbaren, intellektuell aufbereiteten
neuen Generation steht im Mittelpunkt unseres Interesses, sondern
das Bestreben, den Heranwachsenden die Chance zu eröffnen,
ihre eigene Zukunft finden sowie frei und schöpferisch
gestalten zu können.
Das frühzeitige Erlernen der Kulturtechniken darf nicht
Selbstzweck werden. Wir vertreten die Ansicht, dass Lernen als
ein, dem jeweiligen Alter entsprechender, die Persönlichkeit
integrierender Wachstumsprozess begriffen werden muss. Dafür
braucht es Ausbildung von Lehrpersonen, die durch ihre selbst
verantwortete Tätigkeit der kommenden Kindergeneration
Freiräume schaffen, in denen sie ihren eigenen Entwicklungsgesetzen
folgend, heranwachsen dürfen.
Die Ausbildung Elementarpädagogik beabsichtigt, die in
der Schweiz vorhandene, trennende Situation zwischen Betreuungs-
und Bildungsbereich in der Pädagogik aufzuheben.
Im Konzept Elementarpädagogik wird bewusst der Entwicklungszeitraum
für die Erziehung der Kinder von 0- bis 8 Jahren gewählt
um die zukünftigen Lehrpersonen für diesen gesamten
Entwicklungsraum zu sensibilisieren.
Dieses
Konzept liegt nun vor. Seine Umsetzung soll entsprechend der
Möglichkeiten in der nächsten Zeit in Etappen geschehen.